Heute noch

27. Juni 2012

Es waren diese kleinen Augen, die in eine tiefe Leere blickten.
Alles wirkte irgendwie verschwommen, unwirklich,
wie in einem Traum, aus dem man nicht erwachen kann,
kein schöner Traum, viel zu nah an einem unausweichlichen Abgrund.
Seine Gedanken schwankten zwischen viel zu laut,
aber auch Stille umgab ihn, eine Stille, die irgendwie beruhigend war,
und doch so tief und dunkel wie das Loch in seiner Seele.
Die Gedanken huschten hin und her, wie ein Ameisenhaufen,
der zwischen Chaos und Kontrolle irgendwie funktioniert
Und dieses Funktionieren war der Strohhalm,
an den er sich klammerte, mit all seiner letzten Karft,
die alltägliche Aufführung, die Happy-Show.

Er beobachte seine Umgebung, eine dumpfe Wahrnehmung,
es wirkte alles so nah und dann doch unendlich weit weg, so,
als würde man am Ende eines langen Tunnels stehen,
beinahe im Licht, und dann doch mit dem unendlich großen Verlangen,
sich immer wieder umzudrehen, um den Blick zurück in die Dunkelheit zu wenden.

Inzwischen waren seine Augen müde und schwer in Gedanken verloren,
ohne den nötigen Blick nach vorne, eine Zukunft, ein Leben ohne Leere,
in dem nichts mehr so erschien, wie es eigentlich hätte sein sollen.
Langsam kam er zur Ruhe, die Welt wurde etwas leiser,
ein Keim der Hoffnung hatte schon vor langer Zeit Gestalt angenommen,
dieser letzte Funken, für den es sich trotz aller Dinge zu leben lohnte.

Ein Ich, ein Morgen, ein Tag, ein Wunsch.

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Zeitheilung

22. März 2010

Leise und vorsichtig schaute er in den Himmel.
Es war dieses Blau, das ihn nicht mehr loslassen konnte,
gefangen in aller Macht dieser Farbe.
Der sanfte Wind kündete von besseren Zeiten,
gebettet in Wonne und Wärme.
Ja, endlich ein kleiner Lichtblick,
nach ewiger Dunkelheit, gefangen im eigenen Sein.
Sanfte Töne streiften seine geschundenen Ohren,
er hatte damals viel gehört, vielleicht sogar zu viel.
Sein Griff zu Papier mit zittriger Hand,
ein erster Schritt zurück, zurück auf die Seite des Lichts.
Nach Jubelieren war ihm nicht, noch nicht,
nur ein zaghaftes Ankommen im Hier und Jetzt.
Genau dort, im Schutz der unendlich scheinenden Dunkelheit der Nacht,
fühlte er sich frei, sicher und behütet von den Wächtern,
die mit viel Vorsicht seine Gedanken zur Ruhe trugen.
Gefühle der nahenden Müdigkeit,
kleine Sprünge von milder Freude und zaghafter Zufriedenheit,
dies waren seine Begleiter, jetzt im Hier, nicht damals.
Und doch, so sehr es auch zu verleugnen vermochte,
da waren sie immer noch, Gedanken an eine längst vergangene Zeit,
ein Zeit voller kleiner Wunder und Glückseligkeit.
Innige Momente ohne große Worte,
eine Berührung, ein Blick, eine Liebe.
Viele Wunden mussten seit dem verheilen,
manche schnell, andere nicht bis heute,
doch es lohnt sich wieder, zu leben,
für diesen kleinen Moment, diesen Tag, dieses Heute.

Im Hier und Jetzt 2010

3. Januar 2010

Es hat einige Tage gedauert, bis ich im neuen Jahr angekommen bin.

Nach meinen 5 Retrospektiven wage ich nun einen Blick in die Gegenwart,
über die Zukunft möchte ich mir noch keine Gedanken machen,
erst mal ankommen im Hier und Jetzt.

2009 kann ich jedenfalls getrost vergessen,
wie Ihr aus meinen letzten Beiträgen entnehmen könnt.
Nun sitze ich hier, die Dämmerung kündet von der nahen Nacht,
die mir Ruhe und Gedankenlosigkeit bescheren soll,
mal sehen, ob dies heute auch wieder funktioniert.
Hier, in Sicherheit, kann ich so langsam verstehen,
wie es war, wie alles war, und wie es am besten nie wieder sein soll.
Mit dem nötigen Abstand schaffe ich es,
wieder ein wenig Ordnung in meine Gedanken zu bringen,
um langsam aber sicher meine alte, gewohnte Ordnung zu finden.
Leicht ist es nicht, ich muss mich anstrengen,
beinahe schon zwingen, normal funktionierende Gedanken zu fassen.
Früher war das alles kein Thema, doch seit mein Leben aus den Fugen geraten ist,
ist es ein Kampf, jeden Tag aufs Neue.
Und ich bin bereit, diesen Kampf aufzunehmen,
mich den Dingen zu stellen, die mich so lange belastet haben,
die mein Leben zu einer Qual werden liessen.
Das es nicht einfach wird, ist mir klar,
zu tief sind die Wunden meiner Vergangenheit,
zu schwer wiegt die Last, die ich auf meinen Schultern trage.
Aber so wie im letzten Jahr kann und darf es nicht weitergehen,
Verzweiflung und Selbstzerstörung waren meine täglichen Begleiter,
sie hielten mich davon ab, ein wenig Zufriedenheit oder Glück zu leben.
Inzwischen bin ich hoffentlich stark genug, mich meiner Vergangenheit zu stellen,
und all das zu ändern, was drohte, mich endgültig zu zerstören.
Viele Gespräche werden noch folgen müssen,
Illusionen, dass es einfach wird, mache ich mir nicht,
es wird ein steiniger Weg, es bleibt mir keine andere Wahl,
als diesen bis zum Ende zu gehen,
bis ich endlich wieder zu dem gefunden habe,
was ich einst war, wie ich eigentlich bin.

Meeresnacht

27. August 2009

Es war diese Ruhe, das Gefühl der Nacht,
beinahe unbeschreiblich, einfach nur still.
Am Horizont sah man noch einen letzten Streif vom Blau des Tages,
und die Leuchttürme kündeten von der langen Dunkelheit.
Und ich mittendrin,
im warmen Sand, umgeben von leeren Strandkörben.
Die Vögel auf See stimmten nun ihr Lied an,
es schien nahe zu sein, greifbar.
Ja, ich war alleine, und nicht nur in diesem einen Moment,
nein, immer, mit einer Gewissheit,
die mir die Luft zum Atmen raubte.
Ich lauschte, hörte in mich hinein,
doch es war eine unhaltbare Situation,
Wut und Schmerz kamen hoch.
Enttäuscht vom Leben senkte ich mein Haupt,
und ich hörte den Wellen zu,
ein versöhnlicher Klang,
das sanfte Rauschen der Brandung.
Der Sand rann durch meine Finger,
es fühlte sich warm an, so vertraut.
Genau wie damals,
als die Zeit noch gerecht war,
als ich mein Leben hier unten noch unter Kontrolle hatte.
Ich spürte mein Herz, nur noch leise,
aber es war da, und es machte mir keine Angst mehr.
Noch ein letzter Zug an meiner Zigarette,
einen letzten Schluck von dem betäubenden Gift,
ja, ich war bereit.
Das Metall fühlte sich kalt an,
und ein letztes Lächeln huschte über meine Lippen.
So war das alles nicht geplant,
nicht gewünscht oder erhofft.
Doch ich wollte es nicht mehr ändern,
mit ruhiger Hand führte ich die Erlösung an meine Schläfe.

Es knallte.

Der aufgewirbelte Sand flog zu Boden,
nein, ich konnte es nicht,
und ich merkte, dass ich mein Leben zurück wollte,
bunt, und nicht mehr grau.
Ich begann, zu zittern,
und mit all meinem Mut warf ich sie ins Meer,
so weit ich nur konnte.
Ich spürte Tränen auf meinen Wangen,
aber es war nicht mehr dunkel, nicht mehr traurig,
es war Glück, endlich kein Feigling mehr.

Ich setzte mich wieder, um die Nacht zu genießen.

Leise Gedanken

21. August 2009

Ab und an kommen sie noch.

Es sind die Gedanken an früher,
wie es mal war.
Manchmal wünsche ich mir,
die letzten 4 Jahre einfach zu vergessen,
geht ja aber nun mal nicht,
und inzwischen ist es leiser geworden.
Natürlich ist es noch immer nicht leicht,
oder sogar einfach, damit umzugehen,
aber es wird erträglicher.
Mit jedem neuen Gedanken
wird es positiver,
Traurigkeit, Wut und Schmerz,
sie waren lange meine Begleiter,
und in manch stiller Stunde tut es sogar noch etwas weh.
Aber auch nur kurz,
da ich verstanden habe,
was es bedeutet, in die Eigenliebe zu gehen.
Es mag für den ein oder anderen egoistisch klingen,
aber seit einiger Zeit bin nur noch ich wichtig.
All die schönen Dinge,
für die ich so lange keinen Blick mehr übrig hatte,
lasse ich jetzt wieder in mein Herz,
und alles, was mir nicht gut bekommt,
darf mir einfach nicht mehr zu nahe treten.
Und dabei gehe ich keineswegs mit Scheuklappen durch die Welt,
nein, nur mein Blick ist geschärft,
für das, was gut ist, was mir Freude bereitet.

Manchmal habe ich sogar daran gedacht,
diese Stadt mit all ihren Erinnerungen hinter mir zu lassen,
irgendwo einen neuen Anfang zu machen.
Doch dann wurde mir klar,
wie gut meine letzten Jahre hier waren,
es sind viele Freundschaften entstanden,
und das werde ich nicht einfach aufgeben,
sondern dafür kämpfen,
ja, ich habe eine gute Zeit, hier und jetzt.

Vorfreude auf das, was kommen wird!

Dieser Junge 2

18. August 2009

Dieser Junge stand dort,
es war Morgen, der dämmerte.
Die Augen schwer,
müde von der Nacht.
Sein Blick zum Horizont,
die ersten Strahlen.
Ankündigung des Tages,
mit all seinem Licht.

Dieser Junge hob seinen Kopf,
voller Erwartung und Neugier.
Ein leichtes Klopfen in der Brust,
etwas wie Erlösung.
Die Nacht als Freund,
in Stunden einst so schwer.
Der Tag als Erlöser,
von dunklen Träumen.

Dieser Junge blickte ins Licht,
ein erstes leises Lächeln.
Seine Blicke schwer,
und doch mit Mut.
Etwas wie Freiheit im Herz,
bereit, das Licht zu leben.
Unendliche Erlösung,
von Leid, vom Schmerz.

Dieser Junge war müde,
und doch wach.
Der Weg zum Horizont,
ein altes Leben.
Und alles neu,
freundlich, die schöne Seite.
Dieser Junge war ich,
hinein ins Licht.

Freunde

18. August 2009

Es ist schön zu wissen,
dass man Freunde hat.

Heute nachmittag ist mir die Decke auf den Kopf gefallen,
also habe ich mich ins Auto gesetzt,
um Stefan zu besuchen,
der inzwischen zu einem meiner besten Freunde geworden ist.
Und egal, was anliegt, auf ihn kann ich mich immer verlassen,
und dabei spielt es auch keine Rolle,
wie spät oder früh es gerade ist.

Aber auch in meiner Stadt gibt es genug Menschen,
auf die ich mich verlassen kann,
das hat mir auch das Wochende gezeigt,
es war ja Stadtfest bei uns,
ich habe viele alte Freunde getroffen,
und es fühlte sich so an,
als wäre ich nie weg gewesen.
Und ich werde auch nicht mehr verschwinden,
oder meinen Kopf in den Sand stecken,
da ich weiss, wenn was ist,
kann ich mich immer melden.

Und das gibt mir ein gutes Gefühl,
es ist diese Sicherheit,
die ich zu lange einfach ignoriert habe.
Damit ist aber jetzt Schluß,
so ist am besten für mich,
und auch für alle, die mich kennen,
und sogar noch ein wenig mögen,
trotz meiner in der Vergangenheit
manchmal seltsamen Verhaltensweise.

Danke für alles!