Seelenschrei
8. August 2009
Ihre Augen wirkten leer, glasig.
Da war sie wieder, diese erschreckend laute Stille,
ein mächtiger Sog, der sie zu verschlingen drohte.
Der Mann neben ihr war ein Fremder,
den sie nur noch verschwommen erkannte,
und mit jedem Wort, das gesagt wurde,
schien es eindeutiger, klarer.
„Ja, genau jetzt werde ich begehrt!“
Sie begann langsam, wieder etwas zu spüren,
und das Gift machte es leichter,
alle Unsicherheit des Alltags war verflogen,
und alles schien egal,
und doch so unendlich wichtig,
sie spürte ihren Körper,
und ja, sie wollte benutzt werden, wie eine billige Hure,
die im Suff alle Prinzipien über Bord wirft, man gibt alles preis,
nicht nur seinen Körper, nein, auch seine Seele.
Und obwohl es ein unendlich lauter Schrei nach Hilfe ist,
hört keiner wirklich zu,
schließlich ist die Gelegenheit viel zu verlockend,
jemanden, der hilflos ist, zu nutzen,
für seine Zwecke, so dreckig es auch sein mag.
Es ist eine Flucht im Rausch der Sinne betäubt,
als ob es kein Morgen mehr gibt,
man lebt nur diesen einen kleinen Moment,
gibt sich hin, lässt sich fallen.
Und mit jedem Mal werde die Stürze
am Tag danach heftiger, unausweichlicher.
Irgendwann reicht nichts mehr,
man erreicht den traurigen Höhepunkt
seines persönlichen Absturzes,
geht verschämt und mit gesenktem Haupt durch die Welt.
Die Unsicherheit im „normalen“ Leben droht,
einen jede Sekunde des Tages zu übermannen,
nur in der Nacht, wenn alle Katzen grau sind,
wird sie zu einer schillernden Gestalt,
die sich beinahe schon prostituiert,
nur, um überhaupt noch etwas zu spüren.
„Wenn Du jetzt gehst, braucht Du nicht mehr wieder zu kommen!“
Die letzten Strahlen
11. Juli 2009
Sie fallen durch mein Fenster.
Der Tag mit letzter Kraft,
sein Licht, die Boten der Wärme.
Sie treffen auf meine Haut,
es fühlt sich seltsam an,
fremd, es tut gut,
doch es hilft nicht.
Es sind die Gedanken,
daran, wo Du bist,
oder auch gerade nicht bist,
mein Herz.
Ich beginne, die Helligkeit zu hassen,
sie wird zu meinem größten Feind,
spielt mir etwas vor, nennt sich Leben.
Was denn nun noch alles,
reicht es nicht langsam?
Der Gesang der Vögel klingt fremd,
das Geschrei vor der nahenden Katze vertraut.
Es ist diese Angst,
das Gefühl, was unbeschreiblicher nicht sein könnte.
Ich drohe, zu gehen,
ohne Morgen, ohne den Tag.
Ohne mich!
So etwas wie Normalität
2. Juli 2009
Es wird immer wärmer, von Tag zu Tag ein wenig mehr.
Und auch mir geht es besser,
ich spüre die Sonnenstrahlen,
fühle den warmen Wind auf meiner Haut,
bin relativ entspannt und gelöst,
solche Momente sind schön,
aber leider noch immer zu selten.
Vom Spielplatz nebenan hört man fröhlich Kinder lachen und toben,
das monotone Rauschen der Autos klingt wie die Brandung der Wellen,
unaufhörlich, mal laut, und mal auch leiser, undeutlicher.
Die Bauarbeiter sind fertig für heute,
sitzen vor ihrem Gebäude und trinken ein wohl verdientes Bier.
Nach der ganzen Zeit hier
nehme ich die Geräusche kaum noch wahr,
kann sogar einschlafen, auch tagsüber, wenn mir danach ist,
oder es einfach nicht anders geht,
wenn die Gedanken zu stark werden,
das Vergangene mit Macht zurück in mein Sein drängt.
Ich nehme es als Befreiung, es beruhigt ungemein,
wenn ich meine Augen schliesse,
dann schaffe ich es,
für ein paar Stunden an nichts zu denken,
oder an nichts denken zu müssen.
Es scheint so, als würde ich lernen,
jeden Tag ein klein wenig besser
mit meiner Situation umzugehen,
als würde mein Kopf endlich verstehen,
welche Signale er an mein geschundenes Herz senden muss.
Ich vergleiche es gerne mit einem Scherbenhaufen,
der durch einen umbarmherzigen Hammer verursacht wurde.
Die Scherben sind noch klein und rot,
sie schlagen unkontrolliert, sind nicht zu beherrschen,
nur langsam, Schritt für Schritt, Tag um Tag,
formt mein Verstand etwas,
dass wohl vor langer Zeit ein mal mein Herz war.
Doch so, wie ich es von früher her kenne,
wie ich mich kenne, mich erinnere,
wird es wohl nie wieder sein,
nie wieder werden.
Doch es bleibt Hoffnung,
auf was da auch immer kommen möge,
es wird bestimmt spannend,
neu, vielleicht sogar aufregend.
Aufregend genug ist für mich schon jeder neue Tag,
an dem ich wach werde und fühle,
dass es mir nicht gut, aber immerhin besser geht.
Heute, jetzt, nicht gestern.
Halbschlaf
1. Juli 2009
Es ist warm hier, es ist Sommer!
Und die Baustelle neben dem Haus meinte,
mich wecken zu müssen.
Das ist aber auch gut so,
schliesslich kann ich nicht den ganzen Tag im Bett verbringen,
auch wenn ich das manchmal gerne möchte,
einfach nur schlafen, und an nichts denken.
Es fällt mir dann leichter, mit dem,
was alles im letzten halben Jahr passiert ist,
fertig zu werden, nun ist es schon Juli,
viel Zeit ist seit damals vergangen.
An manchen Tagen merke ich das,
an anderen fühlt es sich an,
als wäre es erst ein oder zwei Wochen her,
heute ist wieder einer dieser Tage,
und so langsam beginne ich,
diese Tage nicht mehr zu mögen,
mag nicht mehr in Erinnerungen leben,
fühlen und denken.
Es liegt wohl an gestern,
habe einen Brief verschickt,
vermutlich zum letzten Mal,
ich muss damit aufhören,
nennt man dann wohl Selbstschutz,
schlauer wäre es auf alle Fälle.
Eine Reaktion?
Mal sehen, ein wenig Hoffnung bleibt,
aber Illisuionen mache ich mir keine.
Abwarten!
Gedanken am Sonntag
28. Juni 2009
Nun bin ich schon fast eine Woche in Hamburg.
Und die Ablenkung, die ich hier habe,
hilft mir jeden Tag ein Stück mehr,
ein wenig klarer und objektiver zu denken.
Meine schlimmen Erinnerungen
tauchen natürlich auch noch hin und wieder auf,
besonders Nachts in meinen Träumen
ist es teilweise sehr heftig,
aber es wirkt nich mehr so lange nach,
tagsüber komme ich mehr oder minder zurecht.
Deswegen bin ich meinem Freund hier
auch mehr als dankbar,
dass ich ihn besuchen konnte,
ohne Jakob wäre ich momentan ziemlich lost.
Und ewig werde ich auch nicht in Hamburg bleiben können,
irgendwann kann man sich nicht mehr verstecken,
vor seinen Gefühlen weglaufen,
so schmerzhaft und überwältigend diese auch sein mögen.
Die Zeiten des Verkriechens müssen bald ein Ende haben,
aber ich werde einen Teufel tun,
mich auf einen besteimmten Termin festzulegen,
das würde mich nämlich noch ziemlich überfordern.
Vielleicht finde ich ja hier in den nächsten Tagen die nötige Ruhe,
um weiter an meinem Buch zu schreiben,
bisher haperte es leider an der Motivation.
Ich werde Euch aber weiterhin berichten,
wie es mir hier geht, was ich mache und erlebe,
und ich hoffe auch noch immer auf
mein kleines, persönliches Wunder,
das mir Sorgen und Angst nehmen könnte.
Bleibt neugierig!
Warum nur?
22. Juni 2009
Ich weiss, dass Du das lesen wirst.
So, wie Du alles hier verfolgst,
mein Leben, was ich mache und schreibe.
Wie ich fühle, denke, und leide.
Es schmerzt, unendlich,
ich fühle mich, als stünde ich vor einem tiefen Nichts.
Mein Herz schlägt nur noch sehr leise,
gute Tage werden immer seltener.
Hab gesehen, dass Du heute nachmittag arbeitest,
die Erinnerung kam zurück,
als ich Dich besucht habe, Dein Lächeln sah,
Deine warmen Berührungen spüren durfte,
sich Dein Atem mit dem meinen vereinte.
Viele Tage und Nächte sind seit dem verstrichen,
es fühlt sich an wie Unendlichkeit,
es ist noch alles nah,
und dann doch so weit weg,
als würde man versuchen,
Kontinente zu verschieben.
Eine Ewigkeit ist nichts im Vergleich zu dem,
was ich gerade empfinde,
was mich quält, nicht mehr schlafen lässt,
mein Kopf sagt Nein,
nur mein einsames Herz wehrt sich noch ein wenig.
Wird es Morgen sein, ich weiss es nicht.
Der Anfang der Geschichte (Prolog)
25. April 2009
Das Wetter war alles andere als gut, kalt, trostlos.
Der Regen peitschte mit Gewalt gegen die Windschutzscheibe,
die Scheibenwischer hatten Mühe, das traurige Nass zu verdrängen.
Pfützen am Straßenrand hatten sich in gefährliche Seen verwandelt,
in denen sich die Scheinwerfer der Autos hektisch spiegelten.
Es wirkte auf meine Augen wie ein Tanz von grellem Neonlicht in Untiefen,
und dieses flaue Gefühl in meinem Magen wurde dadurch noch verstärkt,
nervös war ich eh schon. Meine Gedanken tanzten im Kopf auf und ab
wie kleine Kinder auf einer Hüpfburg, und im Gegensatz zu den Kindern
drohten meine Kapriolen im Kopf undefinierbare Überschläge zu machen,
und schließlich unsanft auf dem harten Beton zu landen,
und dieser Beton wurde mehr und mehr zu einer Realität, meiner Realität,
die ich noch nicht in der Lage war, zu verstehen, geschweige denn zu akzeptieren.
Meine Gedanken zogen Kreise, und diese Kreise wurden mit jedem Meter
auf dem nassen Asphalt größer, gewaltiger, und sie drohten, mich zu übermannen.
Ich sah nur noch verschwommen, und meine Augen begannen, schwer zu werden.
Ich versuchte, tief zu atmen, meine Gefühle zu unterdrücken,
doch schon der erste Atemzug blieb mir im Hals stecken,
zugeschnürt war meine Kehle, mein Mund trocken.
Endlich zu Hause.
Die letzten Meter vor der alles entscheidenden Türe wurden zu einem Kampf,
ein ungleicher Kampf, und ich wusste genau, ich würde ihn diesmal wieder verlieren.
Denn geplant war das alles nicht, und ich hätte nie damit gerechnet,
da mein Glaube an solche Dinge im Laufe der Jahre an Stärke verloren hatte.
Gebrannte Kinder scheuen bekanntlich das Feuer, doch wie sollte ich es erkennen,
wenn man statt auf ein loderndes Inferno auf eine sich sanft wiegende Flamme trifft?
Hätte ich mir damals gewünscht, hinter die scheinbare Fassade
eines Menschen zu blicken, es wäre mir auch mit einer Wunderlampe
inklusive Geist nicht gelungen, viel zu intensiv und nahezu unglaublich war dieser eine,
wundervolle Moment, ein Moment, den sich wohl ein jeder von uns wünscht,
manche haben ihn erlebt, andere glaubten, ihn erlebt zu haben,
doch den meisten von uns blieb und bleibt er für immer verwehrt.
Wenn ich heute darüber nachdenke, dann beneide ich die, die ihn nie erleben mussten,
und denen, die ihn erlebt haben, wünsche ich von ganzem Herzen,
dass dieser einzigartige, in meinen Augen einmalige Moment,
ein Begleiter für das Leben wird. So viel Gutes kann daraus wachsen,
erst ein Samenkorn, mit ein wenig Pflege beginnt es zu keimen,
es wird stärker, größer, und wenn das Wurzelwerk der Zwischenmenschlichkeit
seinen festen Boden gefunden hat, bedarf es schon den Verstand sprengende Umstände,
um mit einem Spaten aus Kälte und Verzweiflung
die zart gewachsenen Triebe zu durchtrennen,
ihnen die lebensnotwendige Grundlage zu rauben.
Was dann noch übrig ist, verkümmert langsam,
und auch das wärmende Licht der Sonne vermag nach einer Zeit
nichts mehr auszurichten, das Mondlicht und die Schatten der Nacht
werden zu einem ständigen Begleiter,
der einen umhüllt, verschlingt und irgendwann zerstört.
Es ist ein schleichender Prozess, erst nimmt man ihn nicht wahr,
ignoriert die Zeichen, redet sich Dinge ein, die keiner Realität mehr entsprechen,
baut sich Luftschlösser, man lebt in einer Traumwelt, man lebt eine bedrückende Illusion.
Nach einer Zeit zerplatzen die ersten Seifenblasen,
die Mauern der Festungen beginnen nachzugeben,
selbst entworfene Welten entpuppen sich als undurchdringliches Schattenreich.
Und dann bricht alles zusammen, mit der Wucht eines Katapults,
dass die mächtigen Krieger im eigenen Kopf gegen Seele und Herz schleudern.
Und genau hier ist der Punkt erreicht, an dem man damit aufhört, zu fühlen.
Aus Hoffnung werden Schmerzen, ein nicht zu ertragender Zustand,
schleichend und leise frisst sich eine Gewissheit durch Mark und Bein,
die schnell ein Stadium erreicht hat, an dem man keine Kraft mehr verspürt,
keinen Mut, keine Kühnheit. Die Dinge beginnen, sich loszusagen,
und ich war bereit, diesen ungleichen Kampf aufzugeben.
Im Sumpf des Rausches betäubt umgab mich eine seltsame Stille,
die mir mit erschreckend lauter Klarheit sagte
„Warum denn noch?“.
Langsam verstrich die Zeit, aus Minuten wurden Stunden, aus Tagen Wochen.
Eine gigantische Sanduhr, und jedes einzelne Korn
prasselte im Chaos der Gefühle herab, schmerzhaft, erschlagend.
Aber warum tat es so weh, wieso schien all dies so verständlich?
Wieso musste es überhaupt so weit kommen, was war geschehen?
Je mehr das Gift meinen Körper verließ, umso deutlicher wurde es.
es wurde zu meiner bittersten persönlichen Erfahrung.
„Im Krieg und in der Liebe sind alle Mittel erlaubt“
Danke, Napoleon, Du Vollidiot!
Man kann verletzt sein, enttäuscht, traurig, alleine, unverstanden,
aber das gibt einem Menschen noch lange nicht das Recht, unlautere Mittel einzusetzen.
Schweigen ist Gold, und hätte ich einfach meinen Mund gehalten, einfach fernbleiben,
die gewohnte Umgebung meiden, wer weiß, ob dann heute wieder alles in Ordnung wäre.
Wäre es?
Es ist diese eine kleine Frage, und nie zuvor hat mich eine Frage so sehr beschäftigt,
in ihren Bann gezogen, ja nahezu mit einer Phantasie erfüllt,
die heute leider keiner Realität mehr entspricht. Was ist noch von damals geblieben?
Ein Scherbenhaufen, Wut und Hass,
der deutlicher nicht spürbarer gemacht werden könnte.
Und darin liegt ein großes Stück Gerechtigkeit, nun stehe ich vor meinem Richter,
deutlicher hätte das Urteil nicht sein können,
und die mehr oder minder freundlichen Hinweise
ihrer Mitmenschen waren bestärkend.
Ich zahlte und ging.
Warum ich das geschrieben habe?
Es soll keine Entschuldigung für die vergangenen Wochen sein,
das habe ich bereits gemacht.
Es ist viel passiert, einiges zerbrochen über lange Zeit,
in der man sich Liebe anders vorstellt.
Wenn man von heute auf morgen den wichtigsten Teil in seinem Leben verliert,
das Wertvollste, was man jemals finden durfte,
dann ist ein Ritt durch die Hölle kein Vergleich dazu.
Man tauscht das Blau des Himmels gegen abgrundtiefe Nacht.
Und alles, was dann passieren musste, oder einfach nur passiert ist, keine Ahnung,
ob man es Schicksal nennen darf, da ich mir in den letzten Wochen
immer wieder einreden wollte, allmächtig zu sein,
doch meine Geschicke vermochten nie, leider nie,
auch nur ein wenig am unaufhaltsamen Rad der Zeit zu drehen,
etwas Unmögliches zu schaffen, was nicht jeden Menschenverstand sprengt,
so fest können keine Ketten um schöne Begebenheiten liegen,
als das man sie nicht mit einer perversen Macht umgibt,
die jeden Lebenswillen raubt.
Ich fühlte Finger.
Seine kleine Hand war kalt, zitterte.
Sie umschloss meinen Daumen mit einer großen Kraft,
nahezu erdrückend, und man spürte diese hilflose Leere.
Als ich in seine Augen sah, erschrak ich, und auch ich hätte in diesem Moment
einfach nur noch losheulen können, aber ich wollte ihm nicht noch stärker zeigen,
wie zerstörend, wie grausam die letzten Wochen für uns alle waren.
Leise versuchte ich, meinen Blick abzuwenden, doch ich schaffte es nicht,
wie hätte ich auch, mein Herz begann lauter zu schlagen,
Tränen stiegen mir in die Augen, es tat einfach nur noch weh.
Ich ging in die Knie und schaute ihn mit einem verkrampften Lächeln,
welches mehr als unheimlich ausgesehen haben musste, an.
Dann drang diese kleine Stimme durch mein Mark und Bein,
und ich wusste, welche Leere nun die Welt umgeben würde.
„Können wir gehen? Mama ist ja jetzt weg.“
Vielleicht warte ich noch auf die Morgendämmerung, ein erstes kleines Licht.
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Das erste Kapitel wird bald folgen,
ich würde mich über Feedback zu meinem Versuch,
etwas Prosa aus meinem Kopf in Euer Leben zu bringen, freuen.
Bleibt neugierig!