Es riecht wie früher
12. Oktober 2011
Der Sommer ist Geschichte, es ist Herbst.
Meine Fenster sind offen, auch meine Türe zum Balkon,
aus meinen Lautsprechern klingt der traurig schöne
Klang von Rosenstolz, hätte ich wohl besser gelöscht.
Aber das ist heute Abend nicht mehr wichtig,
da mich eine ganz andere Tatsache bewegt.
Es riecht wie früher, da draussen, in meiner Nacht.
Als ich vor einigen Jahren traurig wurde,
dort hinten, in meiner alten Stadt,
wo einst mein größtes Glück zugegen war,
war es, so wie jetzt, Herbst.
Um meiner Traurigkeit zu entfliehen,
habe ich mich am Abend in eine Traumwelt verkrochen,
ein historischer Ort, es gab Rotwein,
es gab Fernet Branca, es gab herzliche Worte,
es waren Menschen, deren Umgebung meine
seelischen Qualen lindern konnten.
Aber warum riecht es wie früher in meiner Nacht?
Dieser besondere Ort hatte eine offene Feuerstelle,
mit dem betörenden Duft trockener Hölzer,
die mit eiem wohligen Knistern den Raum
mit einer beschützenden Wärme durchströmt haben.
Und auch in meiner nahen Wohnung
war dieser Duft allgegenwärtig,
irgendwie schön und zu gleich traurig,
aufbauend und zerstörerisch,
voller Hoffnung und Verzweiflung.
Meine neuen Nachbarn in dieser anderen Stadt
haben einen Holzofen, daher dieser fremde,
nahezu ein wenig grotesker Eindruck an damals.
Es mag wie früher riechen,
aber es ist schon seit langem nicht mehr meine Nacht.